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Worauf es bei einer Fachübersetzung ankommt...
Abgesehen von einigen schönliterarischen oder sprachwissenschaftlichen
Texten will man als LeserIn bei den meisten Übersetzungen nicht das
Gefühl haben, dass sie Übersetzungen sind. EinE ÜbersetzerIn
denkt beim Übersetzen, wie man das in der Originalsprache Ausgedrückte
in der Zielsprache sagen würde.
Wörterbücher können auch im besten Fall nur eine Hilfe
sein, sie können fundiertes Wissen und gutes Sprachgefühl niemals
ersetzen. Wörter zweier Sprachen haben nur in den seltensten Fällen
genau denselben Bedeutungsumfang - ein ganz einfaches Beispiel wäre
das englische light, das im Deutschen je nach
Kontext Licht, leicht
oder hell übersetzt werden kann.
Aber selbst wenn der Kontext bekannt ist, ist Vorsicht gefragt: das deutsche
Wort Anschlag hat im Deutsch-Finnischen Wörterbuch
von Technik und Handel 31 mögliche Entsprechungen - der in der jeweiligen
Übersetzung benötigte Begriff kann unter ihnen sein oder auch
nicht!
Die zu übersetzenden Texte handeln oft von Inhalten, die typisch
für die Ausgangssprache und -kultur, aber nicht für die Zielkultur
sind. Dies ist bei touristischen und gastronomischen Texten häufig
der Fall. Hier geht vor allem um Erkennen der Textfunktion: beim Übersetzen
eines Kochbuches muss man z.B. wissen, mit welchen in den deutschsprachigen
Ländern erhältlichen Milchprodukten das finnische kermaviili
oder das schwedische fil ersetzt werden könnten.
Wenn aber der ausgangssprachliche Begriff die Funktion hat, gerade das
Kulturspezifische zu vermitteln, ist eine sorgfältige Erklärung
des Sachverhaltes wohl die bessere Lösung. Heikel ist vor allem,
wenn der Sachverhalt in den beiden Sprachen/Kulturen bekannt ist, aber
nicht wirklich dieselbe Bedeutung hat. Ein Beispiel dafür ist die
finnische Sauna, die zwar auch in Österreich bekannt ist, aber andere
Assoziationen erweckt als in Finnland.
Ähnliches gilt für die Sprachpragmatik, also für die Konventionen,
wie eine Sprache verwendet wird. Bei von nicht-Native Speakern geschriebenen
Texten hat man manchmal das Gefühl, dass zwar die Grammatik stimmt,
aber der Text trotzdem irgendwie komisch vorkommt - in diesem Fall hat
der/die VerfasserIn wahrscheinlich Ausdrücke benutzt, die man (in
diesem Zusammenhang) "einfach nicht so sagt". Hierzu gehören
auch Floskeln wie Guten Tag, die zwar in den
meisten Skandinavien-Sprachführern zu finden sind, aber die in diesen
Ländern selbst nur selten gebraucht werden.
Auch in punkto Anrede ist es wichtig, die Sprachgewohnheiten des jeweiligen
Landes zu kennen: während im Deutschen das Pronomen Sie die unter
Unbekannten normale Anrede ist, ist dies in den skandinavischen Ländern
viel seltener der Fall. Es wird oft eher eine indirekte Anrede bevorzugt,
und um zu bestimmen, wie z.B. der deutsche Satz "Klicken
Sie auf diese Schaltfläche" zu übersetzen ist, ist
eine gute Textsortenkenntnis vonnöten.
Was einE guteR ÜbersetzerIn noch kann, ist zwischen den verschiedenen
Stilebenen einer Sprache zu unterscheiden. Im Finnischen z.B. gibt es
zwei Bezeichnungen für eine Diskette: das von den SprachpflegerInnen
empfohlene und daher hochsprachlichere Wort ist levyke,
das in der Umgangssprache weitaus häufigere und direkt aus dem Englischen
entliehene disketti. In Bedienungsanleitungen,
Handbüchern und ähnlichen soll daher levyke
benutzt werden, aber wenn Kenntnisse des Fachjargons signalisiert werden
soll, kann auch disketti eingesetzt werden.
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