Wissen zu Übersetzungen

Was Sie über technische Übersetzungen wissen sollten

Eine Betriebsanleitung ist keine freiwillige Serviceleistung des Herstellers. Produkte, die als Maschine gelten, unterliegen der Maschinenrichtlinie der EU. Darin wird explizit festgehalten: „Jeder Maschine muss eine Betriebsanleitung in der oder den Amtssprachen der Gemeinschaft des Mitgliedstaates beiliegen, in dem die Maschine in Verkehr gebracht und/oder in Betrieb genommen wird.

Eine Betriebsanleitung mit einer Übersetzung in die Landessprache muss also zwingend mit der Maschine mitgeliefert werden. Die Betriebsanleitung gilt als Bestandteil einer Maschine oder Anlage. Fehlt eine Betriebsanleitung, gilt dies als Mangel beim Inverkehrbringen und berechtigt den Käufer, vom Geschäft zurückzutreten. Eine unvollständige oder fehlerhafte Betriebsanleitung wird mit dem Fehlen einer Betriebsanleitung gleichgesetzt. Und das bedeutet auch: eine Betriebsanleitung, die offensichtlich mit Google Translator erstellt wurde oder deutliche Qualitätsmangel aufweist ist nicht nur ärgerlich, sondern gilt als Produktfehler und somit als Grund, vom Kaufvertrag zurückzutreten.

Eine Betriebsanleitung gehört zur Sicherheitskonzeption eines Produktes. Die Funktion einer Betriebsanleitung ist, Risiken und Gefährdungen für Menschen oder Sachen zu vermeiden. Sie soll vorgeben, wie das Produkt richtig verwendet wird und Fehlanwendungen verhindern. Wenn ein Unfall oder Sach- oder Personenschaden durch Bedienungsfehler auf fehlende oder fehlerhafte Angaben in einer Bedienungsanleitung zurückzuführen ist, greift die Produkthaftung mit allen verbundenen Risiken für den Hersteller. Vermeintliche Ersparnisse in den Übersetzungskosten können also sehr teuer werden!

Übersetzungen von Offerten an öffentliche Auftraggeber

Bei öffentlichen Auftraggebern in Österreich oder in Deutschland sind Angebote samt allen Anlagen normalerweise in deutscher Sprache zu erstellen. Werden vom Bieter vorzulegende Bescheinigungen bzw. Unterlagen in seinem Herkunftsland nicht in deutscher Sprache ausgestellt, so hat er eine einwandfreie beglaubigte Übersetzung in die deutsche Sprache anzuschließen.

Was bei juridischen Übersetzungen eine Rolle spielt

 Lauter Beschwerden bei den Finnen

Die Rechtsmittelbelehrung ist ein standardisiertes Element in administrativen und juridischen Texten: ein Antragssteller hat das Recht zu erfahren, was er tun kann, wenn er mit einem Bescheid von Verwaltungsbehörden unzufrieden ist. Auch gegen gerichtliche Beschlüsse kann man sich wehren – das ist eines der Grundprinzipien eines modernen Rechtsstaates und erfolgt in allen EU-Staaten in ähnlicher Weise.

Auf der sprachlichen Ebene wird es jedoch um einiges komplizierter. Denn im österreichischen Recht wird unterschieden, ob das Rechtsmittel sich gegen ein gerichtliches Urteil oder gegen einen Beschluss richtet und ob es vor dem Gericht Erster Instanz oder vor einem höheren Gericht eingelegt wird. Im ersten Fall heißen die Rechtsmittel Berufung und Rekurs, im zweiten Fall Revision und Revisionsrekurs. Noch bunter wird es vor außerordentlichen Gerichten und bei behördlichen Entscheidungen: hier gibt es unter anderem Rekurs, Beschwerde, Vorstellung, Einspruch, Widerspruch und Erinnerung.

Dem allen gegenüber wirken die Skandinavier sehr nüchtern: in Finnland spricht man in allen genannten Fällen nur von valitus, also wörtlich von einer ”Beschwerde”. Die Tabelle am Ende des Wikipedia-Artikels über Rechtsmittel verdeutlicht schön die zwei unterschiedlichen terminologischen Traditionen: während mittel- und südeuropäische Sprachen von der lexikalischen Unterscheidung bis in die kleinsten Details geprägt sind, genügt in den skandinavischen Sprachen und in Ländern mit britischer Rechtstradition (z.B. Malta) oft ein Oberbegriff.

Bei juridischen Übersetzungen werden die Grenzen der Maschinenübersetzung schnell spürbar. Denn eine Maschine erkennt mit hoher Wahrscheinlichkeit keinen Unterschied zwischen den länderspezifischen Sprachgebräuchen – so wird eine lange Liste der Rechtsmittel zu einer einzigen Beschwerdeliste im Finnischen. Bei der Übersetzung aus dem Finnischen wiederum bedarf es gründlicher Fachkenntnisse, um von fünfzehn Wörterbuchübersetzungen die richtige Entsprechung auszuwählen – und zwar die Übersetzung, die auch in dem jeweiligen deutschsprachigen Land richtig verstanden wird.

 

Bistro – eine Terminologiedatenbank für alle deutschsprachigen Länder

Die Rechtsterminologie ist im Rechtssystem des jeweiligen Landes fest verankert. Kein Wunder also, dass die terminologischen Unterschiede zwischen den deutschsprachigen Ländern beträchtlich sein können. Oft sind es Variationen desselben Wortstammes wie Inbesitznahme (AT) vs. Besitznahme (CH). Manchmal greift man aber zu völlig anderen lexikalischen Bereichen, und dann wird es schwierig: denn woher soll man wissen, dass der Südtiroler Fahrzeugscheininhaber genau dasselbe ist wie der österreichische Zulassungsbesitzer oder der Fahrzeughalter im deutschen Recht? Genau für dieses Problem gibt es jetzt eine Antwort, nämlich die vom Südtiroler Amt für Sprachangelegenheiten der Autonomen Provinz Bozen in Zusammenarbeit mit Eurac Research entwickelte Terminologiedatenbank Bistro. Die Datenbank umfasst Einträge für Rechtsterminologie mit den Sprachen Italienisch, Deutsch (für die Sprachgebräuche Südtirol, Österreich, Deutschland, Schweiz, Europarecht und Völkerrecht) und Ladinisch. Der terminologische Datenbestand in bistro wird kontinuierlich erweitert und aktualisiert und umfasst derzeit vor allem Einträge aus elf Rechtsgebieten.

Fallstricke bei Produktnamen

Es gibt sie nicht viele, aber es gibt sie doch – nämlich Wörter, die sowohl im Finnischen als auch im Deutschen existieren, aber völlig unterschiedliche Bedeutungen haben. Auf das für die Transportbranche relevante Wort lasten haben wir bereits hingewiesen (Lastentaxi). Österreicher und Süddeutsche amüsieren sich bereits auf dem Flughafen Helsinki über die Hinweise auf bussi.

Für Firmen relevant ist diese Frage bei Produktnamen: Namen, die im eigenen Land bestens funktioniert haben, können in einem anderen Land plötzlich ganz andere Eindrücke hervorrufen. So hatte ein finnischer Hersteller von High-End-Einrichtungsgegenständen seinen Produkten Namen gegeben, die Qualität, Ruhe und ein rundum durchdachtes Konzept zum Ausdruck bringen sollten – einer davon hieß daher Miete. Nun, in Finnland funktioniert dies wunderbar, da miete „Betrachtung“ oder „Gedanke“ bedeutet, aber für den deutschsprachigen Markt war man plötzlich gezwungen, andere Namen zu ersinnen.

Es empfiehlt sich daher immer, rechtzeitig vor dem Markteintritt einen Produktnamen-Check zu machen. ScanLang bietet gerne diesbezügliche Beratung.

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