
Hintergrund
Der Wohlfahrtsbezirk West-Uusimaa (LUVN) betreut rund 470.000 Einwohnerinnen und Einwohner in Espoo und neun weiteren Gemeinden in Uusimaa, Finnland. Die Organisation beschäftigt fast 10.000 Fachkräfte und verantwortet das Gesundheitswesen, die sozialen Dienste und die Notfalldienste in der Region.
Im Frühjahr 2024 startete LUVN ein Pilotprojekt zur Einführung von KI-Hilfsmitteln. Von Beginn an legte die Organisation großen Wert auf die aktive Einbindung der Mitarbeitenden. Schnell zeigte sich: Dolmetschdienste eignen sich besonders gut für den Einsatz von KI-Tools. Daher entschied sich LUVN, die KI-Dolmetschlösung von Túlka in einem Testprojekt einzusetzen.
Herausforderungen bei der traditionellen Dolmetschung
Aus Sicht der Kundinnen und Kunden brachte die bisherige ausschließlich menschliche Dolmetschung mehrere Probleme mit sich:
● Hohe Kosten, die den Bedarf nach nachhaltigeren Lösungen verstärkten.
● Unterschiede in Verfügbarkeit und Neutralität der Dolmetschpersonen und dadurch unterschiedliche Servicequalität.
● Datenschutzbedenken bei sensiblen Kundengesprächen.
● Uneinheitliche Qualität der Dolmetschpersonen, von ausgezeichnet bis schlecht.
Lösung: KI-Dolmetschen mit Túlka
LUVN beschloss daraufhin, gemeinsam mit Túlka das KI-Dolmetschen zu testen. Túlka erbringt für LUVN seit mehreren Jahren klassische Dolmetschleistungen. Es lag daher nahe, den ersten datenschutzrechtlich unbedenklichen KI-Dolmetschdienst am Markt mit einem bereits bewährten Partner zu erproben.
Zu Beginn führte LUVN die KI-Dolmetschung in Mutter-Kind-Beratungsstellen und in Sozialämtern ein.
Die Projektabwicklung umfasste:
● eine sorgfältige Auswahl von Nutzergruppen mit ausreichendem Dolmetschvolumen,
● Schulung und Einarbeitung der Mitarbeitenden durch Túlka,
● enge Kommunikation und regelmäßige Ergebnisberichte durch Túlka
Für den Erfolg des Projekts spielten Change Management und Mitarbeiterbeteiligung eine entscheidende Rolle. Die Verantwortlichen informierten die Teams von Anfang an offen über Ziele, Nutzen und finanzielle Auswirkungen des Pilots. So erläuterte LUVN beispielsweise, dass eine jährliche Einsparung von 50.000 Euro bei Dolmetschkosten die Finanzierung einer zusätzlichen Pflegekraft ermöglichen könnte. Diese Transparenz erhöhte die Akzeptanz und förderte das Engagement der Mitarbeitenden.
Ergebnisse und Vorteile
Das laufende Pilotprojekt zeigt bereits vielversprechende Ergebnisse:
● Über 50 % geringere Dolmetschkosten im Vergleich zu menschlicher Dolmetschung.
● Verbesserte Verfügbarkeit bei spontanen Kundeninteraktionen, etwa bei Supportanfragen.
● Feedback und Vorschläge der Mitarbeitenden wurden gleich für die Weiterentwicklung der App genutzt.
● Höhere Kundenzufriedenheit und Empowerment: Viele fühlten sich eher ermutigt, Finnisch zu sprechen, wenn keine menschliche Dolmetschperson anwesend war.
Wichtige Erkenntnisse und Zukunftsaussichten
Aus dem Pilotprojekt leitet LUVN mehrere zentrale Learnings ab:
● Regelmäßige Nutzung und Wiederholung steigern sowohl Zufriedenheit als auch Effizienz im Umgang mit der Lösung.
● Führungskräfte – insbesondere direkte Vorgesetzte – müssen den Einsatz von KI-Dolmetschen sichtbar unterstützen.
● Klar strukturierte und verständlich formulierte Schulungsmaterialien für Mitarbeitende sind unverzichtbar.
Auf Grund der positiven Erfahrungen plant LUVN nun, das KI-Dolmetschen zur Standardlösung für Dolmetschungen zu machen und menschliche Dolmetschpersonen für Sonderfälle mit besonderen Fachkenntnissen zu engagieren. LUVN und Túlka werden ihre enge und intensive Zusammenarbeit fortsetzen, mit dem besonderen Fokus auf die kontinuierliche Weiterentwicklung des KI-Dolmetschens.
Den Artikel von LUVN über den Einsatz von Túlka KI können Sie in englischer Sprache auf hier abrufen: https://www.luvn.fi/en/news/2025/06/promising-results-real-time-ai-interpretation