Was sind die skandinavischen Sprachen?

Geopolitische Bedeutung: die offiziellen Sprachen der Länder Nordeuropas, also Dänisch, Finnisch, Isländisch, Norwegisch und Schwedisch. Manchmal zählt man auch noch die Baltischen Länder mit den Staatssprachen Estnisch, Lettisch und Litauisch dazu.

Sprachwissenschaftliche Bedeutung: die in Nordeuropa gesprochenen nordgermanischen Sprachen, die miteinander nah verwandt sind. Für Übersetzungen und Dolmetschen spielt die Verwandtschaft zuweilen eine Rolle. Wenn der Schwerpunkt auf bloßem Verständnis liegt, können beispielsweise Leser mit norwegischer Muttersprache auch schwedischsprachige Ressourcen nutzen.

Wie gut verstehen sich SkandinavierInnen untereinander?

Die skandinavischen Sprachen (im sprachlichen Sinne) bilden ein sog. Sprachenkontinuum. Das bedeutet, mit rein sprachlichen Kriterien ist es unmöglich zu bestimmen, wann eine gesprochene Sprache aufhört, beispielsweise ein Dialekt des Norwegischen zu sein und zum Schwedischen wird.

Wie gut Sprecher und Sprecherinnen einer skandinavischen Sprache die Sprache des Nachbarlandes verstehen, hängt zum einen von der geographischen Nähe innerhalb eines Landes ab. Laut einer Untersuchung des Nordischen Rates verstehen z.B. Einwohner Oslos besser Schwedisch als Einwohner der Westküstenstadt Bergen. Daneben spielen aber auch außersprachliche Faktoren wie Medienkonsum und Anzahl von Geschäftskontakten eine bedeutende Rolle. So erklärt sich u.a. der Befund, dass Sprecher des Norwegischen durchgängig bessere Resultate sowohl im Hör- als auch im Leseverständnis des Schwedischen erzielen als umgekehrt.

Kann ich eine schwedische Übersetzung auch in Norwegen verwenden?

Ein schwedischsprachiger Text wird im Großen und Ganzen gut in Norwegen verstanden. Ob dieser aber ohne Bearbeitung in Norwegen verwendet werden kann, hängt vom Verwendungszweck der Übersetzung ab:

Maschinen und Anlagen sowie Medizinprodukte unterliegen EU-weiten Vorschriften (Maschinenrichtlinie bzw. Medizinprodukterichtlinie). Das bedeutet, beim Inverkehrbringen in einem Land ist eine Bedienungsanleitung in der Landessprache obligatorisch.

– Bei geschäftlichen Texten hängt es davon ab, wie fachspezifisch das Schreiben ist. Eine Rechnung oder ein Kundenschreiben über geänderte Lieferfristen bereitet im Allgemeinen keine Verständnisprobleme. Eine Abnahmevereinbarung dagegen enthält oft viele juristische Begriffe, die sich ohne Kenntnisse der jeweiligen Rechtssprache nicht erschließen. Hier empfiehlt sich eine Übersetzung auf jeden Fall.

– Bei Marketingtexten spiel die Zielgruppe eine entscheidende Rolle: je persönlicher, desto mehr empfiehlt es sich, den Inhalt anzupassen. Öffnungszeiten und Preise eines Hotels werden sicherlich auch in der Nachbarsprache angenommen. Maßgeschneiderte B2B-Werbeschreiben dagegen sollen angenehm zu lesen sein. Wer sich hier die Mühe einer Übersetzung macht, erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass die Zusendung gelesen wird.

– Beim Dolmetschen gilt analog: je spezieller, desto eher sollte für jede Sprache eine eigene Dolmetschung bereitgestellt werden. Bei zwanglosen Veranstaltungen nutzen SkandinavierInnen bei Bedarf auch die Dolmetschung in eine andere skandinavische Sprache. Vor Gericht dagegen geht es darum, dass alle Beteiligten wirklich jedes Wort verstehen. Hier gilt: für jede skandinavische Sprache eine/n eigene/n DolmetscherIn.