Wissen zu Fachübersetzungen im Bereich des Rechts

Für eine gelungene Rechtsübersetzung gibt es einige Besonderheiten zu beachten.

Was bei juristischen Übersetzungen eine Rolle spielt

Juristische Übersetzer müssen über Rechtswissen verfügen

Die Rechtsmittelbelehrung ist ein standardisiertes Element in administrativen und juristischen Texten: ein Antragsteller hat das Recht zu erfahren, was er tun kann, wenn er mit einem Bescheid von Verwaltungsbehörden unzufrieden ist. Auch gegen gerichtliche Beschlüsse kann man sich wehren. Dies ist eines der Grundprinzipien eines modernen Rechtsstaates und erfolgt in allen EU-Staaten in ähnlicher Weise.

Auf der sprachlichen Ebene wird es jedoch um einiges komplizierter. Denn im österreichischen Recht wird unterschieden, ob das Rechtsmittel sich gegen ein gerichtliches Urteil oder gegen einen Beschluss richtet und ob es vor dem Gericht erster Instanz oder vor einem höheren Gericht eingelegt wird. Im ersten Fall heißen die Rechtsmittel Berufung und Rekurs, im zweiten Fall Revision und Revisionsrekurs. Noch bunter wird es vor außerordentlichen Gerichten und bei behördlichen Entscheidungen: hier gibt es unter anderem Rekurs, Beschwerde, Vorstellung, Einspruch, Widerspruch und Erinnerung.

Dem allen gegenüber wirken die Skandinavier sehr nüchtern: in Finnland spricht man in allen genannten Fällen nur von valitus, also wörtlich von einer Beschwerde. Die Tabelle am Ende des Wikipedia-Artikels über Rechtsmittel verdeutlicht schön die zwei unterschiedlichen terminologischen Traditionen: während mittel- und südeuropäische Sprachen von der lexikalischen Unterscheidung bis in die kleinsten Details geprägt sind, genügt in den skandinavischen Sprachen und in Ländern mit britischer Rechtstradition (z.B. Malta) oft ein Oberbegriff.

Bei juridischen Übersetzungen werden die Grenzen der Maschinenübersetzung schnell spürbar. Denn eine Maschine erkennt mit hoher Wahrscheinlichkeit keinen Unterschied zwischen den länderspezifischen Sprachgebräuchen. Bei der Übersetzung aus dem Finnischen bedarf es gründlicher Fachkenntnisse, um von fünfzehn Wörterbuchübersetzungen die richtige Entsprechung auszuwählen. Am besten ist  diejenige juristische Fachübersetzung, die auch in dem jeweiligen deutschsprachigen Land richtig verstanden wird.

Eine Terminologiedatenbank für alle deutschsprachigen Länder

Die Rechtsterminologie ist im Rechtssystem des jeweiligen Landes fest verankert. Kein Wunder also, dass die terminologischen Unterschiede zwischen den deutschsprachigen Ländern beträchtlich sein können. Oft sind es Variationen desselben Wortstammes wie Inbesitznahme (AT) vs. Besitznahme (CH). Manchmal greift man aber zu völlig anderen lexikalischen Bereichen, und dann wird es schwierig: denn woher soll man wissen, dass der Südtiroler Fahrzeugscheininhaber genau dasselbe ist wie der österreichische Zulassungsbesitzer oder der Fahrzeughalter im deutschen Recht? Genau für dieses Problem gibt es jetzt eine Antwort, nämlich die vom Südtiroler Amt für Sprachangelegenheiten der Autonomen Provinz Bozen in Zusammenarbeit mit Eurac Research entwickelte Terminologiedatenbank Bistro. Die Datenbank umfasst Einträge für Rechtsterminologie mit den Sprachen Italienisch, Deutsch (für die Sprachgebräuche Südtirol, Österreich, Deutschland, Schweiz, Europarecht und Völkerrecht) und Ladinisch. Der terminologische Datenbestand in bistro wird kontinuierlich erweitert und aktualisiert und umfasst derzeit vor allem Einträge aus elf Rechtsgebieten.