Person die Ipad mit der Aufschrift Webseite: contact, home, services, portfolio, about us und gallery in die Kamera hält

1. Moderne KI-Übersetzungen klingen gut. Und genau das ist das Problem

Noch vor wenigen Jahren war schlechte Übersetzung leicht zu erkennen: holprige Sätze, seltsame Wortstellung, ein spürbar "unrunder" Text. Wer die Zielsprache auch nur grob beherrschte, bemerkte sofort, dass etwas nicht stimmte.

Moderne KI-Übersetzungssysteme haben dieses Warnsignal weitgehend abgeschafft. Sie liefern Text, der sich flüssig liest – unabhängig davon, ob er inhaltlich korrekt, markengerecht oder überzeugend ist. Das Tückische daran: die Leserschaft nimmt die sprachliche Flüssigkeit als Qualitätsmerkmal wahr. Eine Studie zum Nutzervertrauen in maschinelle Übersetzung zeigt, dass Leser auf unflüssigen Text stark reagieren, bei flüssigem, aber inhaltlich falschem Text dagegen kaum Zweifel entwickeln (A Pilot Study in Measuring User Trust in Imperfect MT).

Das bedeutet: Der Fehler ist nicht verschwunden, er ist nur nicht mehr sichtbar. Verlorene Nuancen, falsche Tonalität oder ein Wortspiel, das im Zieltext seine Wirkung verliert, fallen niemandem mehr auf, bis sich das Ergebnis in der Kundenreaktion zeigt.

2. KI-übersetzte Seite performen im Google-Ranking schlechter

Maschinelle Übersetzungen sind Texte, die nicht von einem Menschen, sondern von einer Software mit KI-Algorithmus stammen. Google bewertet dabei grundsätzlich nicht, womit ein Text erstellt wurde, sondern wie hochwertig er ist und ob er Nutzern echten Mehrwert bietet. Problematisch wird es, wenn Inhalte – also auch Übersetzungen – in großem Umfang und ohne redaktionelle Überarbeitung erzeugt werden, primär um Rankings zu beeinflussen. Genau das führt Google in seinen aktuellen Spam-Richtlinien als "Scaled Content Abuse" auf. Unbearbeitete maschinelle Massenübersetzungen fallen ausdrücklich darunter. Der zweite Risikofaktor liegt in den bekannten Qualitätsproblemen unlektorierter maschineller Übersetzung selbst: Fehler, falsche Nuancen oder unpassende Tonalität schaden der Nutzererfahrung, und schlechte Nutzererfahrung wirkt sich auf das Ranking aus.

3. Maschinell übersetzte Seiten setzen auch menschlich generierte Seiten herab

Eine maschinelle Übersetzung beeinträchtigt aber nicht nur das Ranking der betroffenen Seite, sondern kann auch andere, von Menschen generierte Inhalte negativ beeinflussen. Denn laut einer Aussage von Google-Mitarbeiter John Mueller bewertet Google die Vertrauenswürdigkeit einer Webseite insgesamt, nicht nur die einzelner Teile. Einzelne Seiten bilden also sozusagen ein Team: die schlechte Leistung eines Teammitglieds beeinflusst die Gesamtbewertung aller.

4. Der unsichtbare Umsatzverlust

Warum bemerken viele Unternehmen dieses Problem trotzdem nicht? Weil eine mittelmäßige Übersetzung selten als solche erkannt wird. Wenn eine fremdsprachige Landingpage schlechter konvertiert als die Ausgangsseite, wird das in der Praxis meist nicht der Sprache zugeschrieben, sondern dem Markt, dem Preis oder der Saison. Der Schaden erscheint nicht als Position auf einer Rechnung – er erscheint als niedrigere Conversion-Rate in einem fremden Markt, mit einer ganz anderen Erklärung.

Wer die eigene Übersetzungsqualität wirklich einschätzen will, sollte deshalb nicht nur auf das äußere Erscheinungsbild eines Textes schauen, sondern konkrete Kennzahlen vergleichen: die Conversion-Rate je Markt, oder das Ergebnis eines direkten Vergleichstests zwischen maschineller und professioneller Übersetzung auf derselben Seite.

5. Warum bei der maschinellen Übersetzung Emotionen verloren gehen

Werbe- und Verkaufstexte haben eine Aufgabe, die über reine Verständlichkeit hinausgeht: Sie sollen überzeugen, Vertrauen schaffen, zum Handeln bewegen. Genau diese Wirkung hängt an Elementen, die sich am schlechtesten maschinell übertragen lassen – Idiome, Rhythmus, kulturelle Bezüge und die feine Wortwahl, die sich ein Werbetexter oder eine Werbetexterin in der Ausgangssprache genau überlegt hat.

Dass Sprache dabei nicht nebensächlich ist, zeigt eine im Journal of Consumer Research veröffentlichte Studie von Puntoni, De Langhe und Van Osselaer: Botschaften in der Muttersprache lösen bei Konsumentinnen und Konsumenten eine messbar stärkere emotionale Reaktion aus als dieselbe Botschaft in einer Fremdsprache (Puntoni, De Langhe & Van Osselaer, Erasmus University Rotterdam). Emotion ist aber genau der Mechanismus, über den Werbung wirkt – und sie ist das Erste, was bei einer generischen maschinellen Übersetzung verloren geht.

Ist eine maschinelle Übersetzung denn für gar nichts gut?

Die Neuronale maschinelle Übersetzung (NMT) hat in den letzten Jahren enorme Fortschritte gemacht. Dadurch ist die NMT mittlerweile ein ernstzunehmendes Hilfsmittel für die geschäftliche Kommunikation. NMT-Anwendungen eignen sich dort, wo es um einfache Inhalte in thematisch eingegrenzten Bereichen geht. Beispiele sind u.a.

  • Chatbots für die Kundenkommunikation
  • Produktanfragen und Bestellungen
  • Kurze spontane Mitteilungen (z.B. Mitteilungen über Lieferzeiten)
  • Um Kundennachrichten zu verstehen

Sobald es aber um Inhalte geht, die eine Marke in einen neuen Markt tragen sollen, wie Werbetexte, Kampagnen, Webseiten, die zum Kauf bewegen sollen, reicht die maschinelle Übersetzung allein nicht aus. Genau dort entscheidet sich, ob ein Text nur verstanden wird oder ob er tatsächlich wirkt.

Wichtig ist: KI-gestützte Übersetzung ist keine Lösung für die gesamte mehrsprachige Kommunikation, sondern ein Hilfsmittel wie einst das Wörterbuch. Und wie bei allen Hilfsmitteln gilt: Wer sich in der Materie gut auskennt, kann auch das Hilfsmittel am effektivsten einsetzen und weiß, wo seine Grenzen liegen.


Sie haben Bedarf an mehrsprachiger Kommunikation, fürchten aber, dass eine Profi-Übersetzung Ihre personellen und finanziellen Mittel übersteigt? Fragen Sie uns, wie Sie auch mit einem kleineren Budget Ihren internationalen Kunden entgegenkommen können.